Hotel Kunsthof

Zimmer

Preise

Kunst

Service

Packages

Lage

Reservierung

Kontakt
 
 
Kunst >> aktuelle Vernissage > Archiv

Künstler: Phillip Schuster
Sealand – ein Leben in der Isolation


Sie sagen, dass uns das Wetter heute wohlgesinnt ist. Ich merke nicht wirklich etwas davon, kann mir auch nicht recht vorstellen, wie es sein muss, bei Schlechtwetter auf dieser Insel gefangen zu sein. Doch allein bei dem Versuch, es mir auszumalen, krabbelt mir schon die Gänsehaut unter den Ärmeln hervor. Aufgrund einer Mischung aus Aufregung und Kälte, die der Wind über die Nordsee auf diesen Außenposten der Menschheit trägt, bebt mein Körper förmlich von innen her.
Alle rund herum sind schwer mit den Vorbereitungen für das Photoshooting beschäftigt. Es darf nichts schiefgehen, da dieser Tag, vielleicht sogar diese Stunde die einzige Möglichkeit bietet, hier auf Sealand zu skaten. Die Organisation muss jetzt ganz präzise sein, da dies bereits der vierte Anlauf für diese Aktion ist.
Momentan mache ich mir aber keine großen Gedanken darüber, sondern lasse diesen Ort der Einsamkeit auf mich wirken. Es herrscht ein hektisches Treiben auf der Plattform: Kameramänner und Photographen laufen nervös auf und ab in ihrer Angst, eine sensationelle Aufnahme zu verpasse. Die Sealander bemühen sich darum, das letzte Gepäck und die dazugehörigen Reisende ins Trockene zu bringen. Ganze zwölf Meter hoch ragt der alte Flakturm über den Meeresspiegel hinaus in die Höhe. Eine alte, dieselbetriebene Seilwinde plagt sich damit, die Lasten nach oben zu hieven. Es kommt einem Wunder gleich, dass sie nicht in diesem Augenblick ihrem Alter erliegt und unter der Belastung nachgibt und eingeht.
Dann versuche ich, all diese Menschen auszublenden und mir einen ganz normalen Tag hier vorzustellen. Wie sollte es denn auch anders sein: mit diesem Gedanken kommt das innere Beben wieder. Vielleicht ist es auch ein Zittern, ich kann es nicht genau definieren. Ich bin schon allgemein kein großer Freund des feuchten englischen Wetters, hier aber bin ich auch noch dem absoluten Extrem ausgesetzt. Eine Frau mit einer Machete im Gürtel bittet mich ins Innere, um die Formalitäten zu erledigen - die Einreise auf Sealand setzt sogar ein Visum voraus. Ich bekomme einen Stempel in meinen Pass. Zum Glück brauche ich sehr bald einen neuen, denn ich weiß nicht, was dieser Stempel eines offiziell nicht anerkannten Fürstentums bei der Einreise in andere Länder auslösen könnte. Wie dem auch sei, ich freue mich trotzdem über dieses einzigartige Souvenir, das mir gerade in den Pass gedrückt wird.
Naturgemäß hat der Mensch Angst vor Dingen, die er nicht kennt. Menschen zu begegnen, die einem unbekannt sind, ist im Normalfall kein Grund für diese Ungewissheit, aber hier stehe ich vor einer völlig neuen Situation. Die „Guards of Sealand“ tragen Feuerwaffen und waren schon in der Vergangenheit dazu bereit, sie in Notsituationen einzusetzen. Sie sind Fremde für mich und machen zwar einen freundlichen, aber gleichzeitig sehr reservierten
< 1 von 16 >